15.09.2013

"Blended Learning", "Virtual Classroom" oder "Lernnetz" - wie sie auch heißen, wir Trainer müssen da wohl doch ran!

Obwohl ich mich bis vor kurzem erfolgreich davor drücken konnte, auf eines dieser Aus-/Weiter-/ Bildungskonzepte 'einzusteigen', welche Trainer und Teilnehmer per Audio-/Videoübertragung verbinden, kann letztlich der Schluss nur lauten: Wir kommen ja doch nicht um die Auseinandersetzung herum! War ich doch bisher der Meinung, dass insbesondere wir Softskiller ein recht gutes Alibi haben, muss ich mich nun beugen und sagen: "Ja, ob Kommunikation, gruppendynamische Aspekte und allgemein bisher eher rollenspiellastiger Präsenz-Content lässt sich auch über die Entfernung gestalten."

Ein kürzlich zu erfüllender Auftrag in Berlin-Mitte lehrte mich: Hab' keine Angst, unterschiedliche Standorte bedeuten nicht automatisch ein 'Hinweggleiten' der Gruppe an allen brisanten, sonst gern durch physische Präsenz kontrollierten Situationen. Meine drei angehenden IT-Trainer nutzten allen Raum und alle Entfaltungsmöglichkeiten, die unsere Audio-/Videoverbindung (und vielleicht gerade auch die eigene Entscheidungsfreiheit über die Freigabe von Audio bzw. Video) bot. Sicherlich ist es in Reflexionen zu Übungen oder kurzen Rollenspielsequenzen, die man für die Gruppenmitglieder an den anderen Standorten 'vorgespielt' hat, teilweise schwierig die Sequenzen positiv und dennoch kritisch zu feedbacken. Den Ton des anderen zu treffen, ohne ihn direkt zu sehen, ist ähnlich schwierig wie etwa das Besprechen brisanter Inhalte am Telefon. Jedesmal fragt man sich, ob der andere möglicherweise bewusst die Videoübertragung ausgeschaltet hätte, bis sich herausstellt, dass es ein Versehen war und man schon wieder Schlimmeres befürchtete als der Fall war - und JA, "man" bin in diesem Fall natürlich ich, wer sonst?! 

Lange Rede, kurzer Sinn: Wir müssen ran, an diese Form des 'Zusammenarbeitens'. Es mag sich in der ersten Zeit ziemlich unecht anfühlen, gerade wenn man - wie ich - auf dynamische Gruppen steht. Aber bereits in der zweiten Woche habe ich die Berührungsängste ablegen können, direkt in die Webcam geschaut und meine Teilnehmer in persona darin sehen können. (Ein schönes Schlußwort, wie ich finde.) :-)